Wie sprecht ihr eine Person an, die ihr noch nicht kennt? Meist mit Sie, richtig? In Texten ist das aber nicht immer so klar. Da wird mal geduzt, mal gesiezt, mal beides im gleichen Text, oder der Autor versucht gleich, das zu umgehen, und schreibt in der man-Form. Welche Leseransprache ist die richtige?

Ich habe mich entschieden, euch, meine Leser, hier in der Wortfinderei und auf meinen Social-Media-Kanälen mit „ihr“ anzusprechen, also in der Du-Form. Im Hauptbereich meiner Homepage, der sich an meine Kunden richtet, steht das höflichere „Sie“. Verwirrend? So versuche ich, beide Textformen zu trennen.

Die Frage nach der Ansprache beschäftigt auch meine Kunden immer wieder. „Bin ich nicht modern genug, wenn ich das Sie nutze?“ oder „Es ist doch unhöflich, gleich zu duzen!“ sind nachvollziehbare Argumente für beide Seiten. Doch um die Frage nach dem Wie zu beantworten, darf ich nicht von mir selbst ausgehen, sondern muss mich in meine Leser hineinversetzen. Wen möchte ich mit meinen Texten erreichen?

Welche Ansprache für welchen Kanal?

Schreibe ich vor allem für Jugendliche? Texte ich für einen Blog, der familiär, freundschaftlich wirken soll? Sind meine Kunden es gewohnt, dass sie von mir geduzt werden? Dann ist auch im Text das Du angeraten. Alles andere würde nicht authentisch wirken. Stellt euch mal vor, Unternehmen wie IKEA würden plötzlich in der Sie-Form schreiben …

Wenn ich als Unternehmen meine Kunden allerdings nie duzen würde, sollte ich es auf meinen Firmenpräsenzen auch nicht tun. Gerade wenn die Zielgruppe meiner Produkte eher zum älteren Semester zählt. Auch alteingesessene Medien mit einer Leserschaft Ü40 würden ihre Leser eher nicht mit du ansprechen. Magazinen, die sich an Jugendliche richten, ist dagegen das Sie fremd.

Jetzt wird es schief

Natürlich gibt es auch junge Leute, die gern gesiezt werden wollen, und ältere, die das Du bevorzugen. Aber bei der Entscheidung, welche Leseransprache zu meinen Kanälen passt, muss ich von der Mehrzahl meiner Leser ausgehen. Richtig kurios wird es, wenn eine förmliche Ansprache mit Gifs, Smilies oder anderen Spielereien verbunden wird. Das macht jeden Text unglaubwürdig. Denn diese Elemente wie auch Bilder und Videos gehören zum Text, sie ergeben gemeinsam eine Außenwirkung. Und wenn die schief wirkt, wie kann ich dann davon ausgehen, dass ein Unternehmen, das sich dieser Sprache bedient, selbst weiß, was es mir sagen will?

Das verflixte DU

Wenn ich mich dann aber für das Du entscheide, sollte ich es auch richtig schreiben. Nach wie vor nutzen viele Texter das großgeschriebenen Du, wenn es gar nicht großgeschrieben wird. Groß muss das D nämlich nur, wenn das Du als Substantivierung genutzt wird. In formellen Briefen, Mails oder anderen Korrespondenzen darf es großgeschrieben werden, muss aber nicht. Das Dudenteam selbst empfiehlt eine Großschreibungin in solchen Textformen, in denen der Autor den Leser persönlich anspricht.

In allen anderen Fällen, also der wörtlichen Rede, Werbetexten, Fragebogen oder Artikeln bleibt das Du klein, weil es sich hier nicht um eine persönliche Ansprache handelt. Gleiches gilt übrigens für ihr/Ihr.

Jetzt wisst ihr, liebe Leser, warum ich euch nicht großgeschrieben anspreche. Und damit wünsche ich euch fröhliches Texten!