Das alte Jahr hat sich für mich mit einer Premiere verabschiedet: Udo Wolff hat sein erstes E-Book und Taschenbuch veröffentlicht, das erste Buch, das ich seit meiner Firmengründung lektoriert habe. Da darf man schon mal stolz sein.

Schon während meines Studiums habe ich gerne für Nachwuchsautoren Texte korrigiert oder lektoriert. Als Literturwissenschaftlerin war ich natürlich ganz nah dran an immer neuem Lesestoff. Mich ohne Buch in der Tasche, auf dem E-Book-Reader oder wenigstens auf dem Smartphone, das gab es eigentlich seit ich sechs Jahre alt war nicht mehr. Also wollte ich diesen Part auch zu einem Teil meines Unternehmens machen, als ich Ende 2018 in die Schweiz gezogen bin und „Mariana Friedrich – Text | Lektorat | Beratung“ ins Leben gerufen habe.

Inzwischen darf ich einige Autoren betreuen. Udo Wolff war mein erster Lektoratskunde seit der Gründung. Udo ist ein beeindruckender Mensch, der immer gerade heraus seine Meinung sagt und daraus als Stand-up-Comedian inzwischen seine Profession gemacht hat. In seinem Buch „Geliebt, gehasst, geplagt, genervt – Aus dem Leben eines Familievaters“ beschreibt er den Weg des erfolgreichen Bauunternehmers mit dem heroischen Namen Clark Klain durch einen Zusammenbruch bis zur ersten Burn-out-Therapiesitzung. Die Episoden aus Clarks Leben sind urkomisch, oft unheimlich vertraut und herrlich überzeichnet. Clark ist direkt, impulsiv und ehrlich, womit er in unserer Welt ständig aneckt. Aber lest selbst.

Mehr über Udo erfahrt ihr auf seiner Homepage. Wie er zum Autor wurde, habe ich ihn für euch gefragt.

Foto: #fotografollihaas

Udo, was war dein Impuls, die Geschichten, die du auf der Bühne erzählst, in Buchform zu sammeln?

Ich habe so viele Geschichten im Kopf und Ideen, die ich erzählen will, die bekommst du auf der Bühne gar nicht alle unter. Jetzt bin ich zwar schon „alt“, aber noch nicht so lange als Comedian unterwegs. Ich bekomme also nicht so viele Möglichkeiten, mein Solo zu spielen. Ich spiele oft 25-Minuten-Programme. Da bringst du Dinge, die super-save sind und baust ab und zu drei, vier Minuten neues Material ein. Da habe ich mir gedacht: In einem Buch kann ich mehr erzählen und verwirklichen. Dazu muss man auch sagen: Mein Programm habe ich nie aufgeschrieben. Das habe ich komplett im Kopf.

Das ist aber ungewöhnlich, oder?

Jeder arbeitet ja anders. Ich gehe zum Beispiel laufen, dabei fallen mir die Geschichten ein, und dann sind die da. Ich kann auf die Bühne gehen, zwei Stunden labern und dir eine Geschichte mit allen möglichen Abzweigungen erzählen.

Ich finde, einigen Künstlern merkt man an, dass sie ihre Geschichten aufgeschrieben haben, weil sie sie immer wortgleich servieren …

Genau. Die Leute sagen mir immer, sie finden mich realistisch und echt. Ich probe auch meine Mimik und Gestik nicht. Bei etablierten Künstlern ist oft kein Leben mehr drin. Als normaler Zuschauer achtet man vielleicht nicht darauf, aber mir fällt oft auf, dass es künstlich wirkt. Mir erzählt mein Publikum, dass sie mir alles glauben. 80 Prozent davon sind natürlich erstunken und erlogen. Ich möchte Menschen unterhalten und ihnen eine Möglichkeit geben, ihre Sorgen zu vergessen.

Aber ein Kern deiner Geschichten ist schon so passiert, oder?

Ich sage immer: Wenn du eine Geschichte erzählst, muss das deine Geschichte sein. Dann kommen Mimik und Gestik von allein.

Was sagt denn deine Familie dazu, wenn sie sich wiedererkennt?

Deshalb habe ich ja einige Dinge gerade im Buch abgeändert. Unter Umständen wären ein paar Storys vielleicht zu dramatisch. Aber ich überlege tatsächlich, später nochmal ein Buch gerade über die Therapie zu schreiben, die ich ja wirklich gemacht habe. Ich habe ja früher diese Baufirma gehabt, doch irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich fragst, ob es das alles wert ist. Was nützen dir Millionen auf dem Konto, wenn du dein Leben nicht genießen kannst? Das war der Punkt, an dem ich mir eine Auszeit genommen habe. Ich habe zwei Jahre nichts gemacht, außer Computerspiele zu spielen. Viele Geschichten meiner Tochter beispielsweise sind teils von ihren Freundinnen aufgeschnappt, teils ganz überspitzt. Eigentlich habe ich alle bis auf meine Schwester und eine Freundin meiner Frau so verändert, dass man sie nicht wiedererkennen kann. Aber wer sich darin finden will, findet sich darin.

Wo schreibst du am liebsten?

In der Küche. Ich sitze immer hier und trinke meinen Kaffee. Vor mir ist der Backofen – ich backe und koche sehr gerne. Ich will auch gleich noch Brot backen. Ich habe mal versucht, in der Bahn zu schreiben, wenn ich unterwegs bin. Das geht aber gar nicht. Da bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, die Leute zu beobachten.

Wie hat es sich angefühlt, dein erstes Buch in Händen zu halten?

Ach, ich bin da nicht so emotional. Ich hype Sachen nicht so. Vielleicht ist das ein Schutzmechanismus oder liegt am Alter oder so. Ich freue mich darüber, dass ich das mache, klar. Aber emotional berühren mich solche Sachen wenig.

Du arbeitest bereits am zweiten Band über Clark Klain. Worauf dürfen sich die Leser freuen?

Das zweite Buch wird wesentlich lustiger. Clark und seine Freunde sind in Transilvanien, machen Ferien. Wenn Männer oder Frauen unter sich sind, fünf Tage lang, da packt jeder aus. Eine Episode, die eventuell darin vorkommen wird, habe ich kürzlich erst erlebt. Ich saß mit meiner Frau auf dem Sofa, und wir haben „Modern Family“ geschaut. Da gibt es eine Szene, in der eine Familie darüber prahlt, wie toll ihr Kind ist und was es alles kann. Ich sagte zu meiner Frau: Schau, aus diesem Grund kommt der eine Freund nicht mehr zu uns. Als er nämlich das letzte Mal bei uns war und ich von meiner Arbeit, dem Buch und so erzählte, hat er genauso geschaut. Als ob er gerade denkt: Warum macht der Arsch das alles, und ich nicht? Dieses Thema, Neid in seinen verschiedenen Ausprägungen, interessiert mich. Das würde ich gern aufgreifen.

Ich bin gespannt, was dabei rauskommt.

Ich auch!