Es ist sein erstes Romanprojekt, doch eins, an dem Marvin Hörster schon sehr lange arbeitet. Ich durfte „Whispering Wrath“ für ihn lektorieren. Worum es geht, darüber habe ich mit ihm gesprochen.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, welcher der erste Fantasyroman war, den ich gelesen habe. Ich muss etwa 10 Jahre alt gewesen sein, irgendwo zwischen Astrid Lindgren und Erich Kästner war ich von der Kinder- in die Abteilung für nicht mehr ganz junge Leser unserer Stadtbibliothek gewechselt und fand mich wieder in der Welt der Drachen, Magier und wundersamen Wesen. Es war genau diese Zauberwelt, die ich in Märchen so geliebt hatte und in Büchern, die mehr meinem Alter angemessen waren, so vermisste. Zum Glück habe ich später kapiert, dass man für Märchen wirklich nie zu alt ist, aber das ist eine andere Geschichte.

Fantasy hat mich auf jeden Fall sehr schnell gepackt. Ist es nicht herrlich, dass wir in Romanen Wesen kreieren, Kontinente nach unseren Vorstellungen erschaffen und Zauber wirken können? Ich habe mich also von Hohlbein bis Pratchett, von Tolkien bis Lovecraft gelesen, und mit jedem Buch wuchs auch meine Liebe zum Schreiben.

So ist es auch kaum verwunderlich, dass mich Marvins Anfrage, ob ich ihm ein Angebot für das Lektorat seines Erstlingswerkes schicken könnte, sofort neugierig machte. Denn Marvin hat mit „Whispering Wrath“ eine eigene Welt erschaffen, die ihm schon seit der Schulzeit im Kopf rumgeisterte.

 

Covergrafik: Brett Wayne; Portrait: Marvin Hörster

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Die Idee hatte ich wirklich schon sehr lange. Ich habe viel Fantasie, und als ich gerade frisch aufs Gymnasium gekommen bin, kam so die Idee auf, das mit anderen Leuten zu teilen. Also habe ich eine Geschichte über eine Alieninvasion geschrieben und die Seiten dann zu einem Buch zusammengeklebt. Ich wusste noch nicht, wie man beidseitig mit dem Drucker druckt. lacht

Das ist mutig. Wie war das Feedback deiner Mitschüler?

Das war sehr positiv. Vielen gefiel, dass ich Bilder gut in Worte übertragen kann. Das hat natürlich motiviert, weitere Geschichten zu schreiben.

Woher nimmst du deine Ideen?

Aus Träumen. Träume sind meine größte Quelle. Ich habe immer das Handy neben dem Bett liegen. So kann ich mir meine Träume gleich aufschreiben oder als Sprachaufnahme speichern und später daraus Ideen entwickeln.

Der Schritt von kurzen Geschichten zu einem umfassenden Roman ist dann aber noch mal ein großer. Warum „Whispering Wrath“?

Diese Geschichte wollte ich schon sehr lange schreiben. Nach dem Abi hatte ich nur wenig Motivation. Damals habe ich ja auch die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. Sich dann nach der Arbeit aufzuraffen, das hat nicht geklappt. Also habe ich Kurzgeschichten aus diesem Universum gesammelt. Die kommen jetzt zusätzlich zum Roman als Band heraus. Aber als das fertig war, wollte ich „Whispering Wrath“ endlich fertigschreiben.

Wie schreibst du am liebsten?

Ich liebe es, völlig isoliert zu schreiben. Wir haben im Abstellraum bei Waschmaschine und Trockner einen Schreibtisch gestellt. Da war noch viel Platz, und ich brauchte auch einen Arbeitsplatz, um was für meine Weiterbildung zu tun. Hier schreibe ich und bin ganz für mich.

Wie hat es sich angefühlt, das Buch in Druck zu geben?

Das war super. Es hat sich gut angefühlt, es fertig und mal ein eigenes Universum geschaffen zu haben.

Du hast für dein Buch ein interessantes Cover gestalten lassen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Brett Wayne?

Ich hatte ganz konkrete Vorstellungen, kann allerdings gar nicht zeichnen. Das ärgert mich auch immer. Brett Wayne habe ich auf einem Onlineportal für Dienstleistungen getroffen. Sein Stil hat mich sofort angesprochen. Also habe ich ihn gebeten, mal einen Sketch von Eduid, dem Druiden, zu machen. Das war einfach perfekt. Also habe ich ihn beauftragt.

Du hast dir für dein erstes Buch gleich einen guten Grafic Artist und eine Lektorin gesucht. Warum ist dir das wichtig, und was hat es dir persönlich gebracht?

Ich bin noch ein Schreibanfänger. Von sich aus würde man wahrscheinlich sagen: Das ist jetzt gut so. Aber man sieht die Fehler und kritischen Stellen im Text eher schlecht. Daher fand ich das super, eine Lektorin wie dich gefunden zu haben, die mich auf sowas hinweist, mir Tipps gibt und mir hilft, besser zu werden. Ich möchte ja, dass meinen Lesern das Buch am Ende gefällt.

Möchtest du im Bereich Fantasy bleiben, oder probierst du dich auch in anderen Genres aus?

Ich habe noch sehr viele Ideen für Bücher und Kurzgeschichten, die vor allem im Bereich Fantasy, Science Fiction und Horror spielen werden.

Hast du Tipps für Schreibanfänger?

Nicht denken, dass nach dem Schreiben der Geschichte die Arbeit am Werk beendet ist. Das habe ich bei mir auch gemerkt. Beim Schreiben macht man Fehler. Es ist gut, den Text liegen zu lassen und dann noch einmal in Ruhe zu lesen. Dabei sieht man so viel, was man besser machen kann. Und nehmt euch die Zeit, den Text zu bearbeiten. Die ist es wert.

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Illustration: Brett Wayne