Wir müssen reden – ein besonderes Selbsthilfeprojekt

Wir müssen reden – ein besonderes Selbsthilfeprojekt

Vor drei Jahren durfte ich helfen, ein besonderes journalistisches Projekt auf die Beine zu stellen: „Wir müssen reden!“, eine Themenwelt des Magazins move36, die junge Selbsthilfe in den Fokus nahm. Entstanden ist die Idee aus der Kooperation des Fuldaer Magazins mit der Barmer und dem Selbsthilfebüro Osthessen. Dieser Tage wird das Projekt abgeschlossen. move36 hat darüber einen wunderbaren Rückblick geschrieben. 

Ich möchte Menschen eine Stimme verleihen, die etwas zu erzählen haben, aber nicht die richtigen Worte finden. Mit diesem Ziel habe ich vor inzwischen über 15 Jahren meinen Weg in den Journalismus eingeschlagen. Mich interessierten immer die Geschichten, die andere übersehen. Das reale Leben, der Alltag, die Menschen, die sich für andere einsetzen. In Redaktionskonferenzen habe ich öfter mal den Kommentar geerntet: „Och Mariana, schon wieder so ein schweres, so ein ernstes Thema.“ Als mein damaliger Chefredakteur bei move36 also auf mich zukam und mir vorschlug, eine Themenwelt zu Selbsthilfe in unserem Jugendmagazin zu machen, wusste ich sofort: Das ist genau meine Welt.

Selbsthilfethemen für junge Leser aufzubereiten, ist nicht einfach. Geschichten über Schicksale, Erkrankungen, seelische Probleme sind nunmal nicht sexy. Sie zeigen uns unsere Schwächen auf. Sie lassen uns darüber nachdenken, dass das Leben für unser Gegenüber ganz anders aussehen kann, als es auf den ersten Blick erscheint. Das kann der Freund sein, der sich mit seiner chronischen Erkrankung herumschlägt. Das kann die Freundin sein, die in ihrer Abschlussarbeit prokrastiniert und von der keiner weiß, dass sie gegen ihre Depressionen kämpft. Oder der Mensch, der doch gerade noch jede Woche in diesem Café in der Ecke saß und plötzlich weg ist. Diese Geschichten zeigen uns aber auch, dass wir jeden Moment umarmen müssen. Das mag naiv und rosarot klingen, es ist aber eine sehr sinnvolle Herangehensweise an das Leben.

Selbsthilfe betrifft jeden

Mit Themen wie Burnout, chronischen Erkrankungen, dem Tod beschäftigen wir uns aber erst, wenn wir in irgendeiner Form selbst betroffen sind. Wenn jemand im Freundeskreis eine lebensverändernde Diagnose erhält. Wenn ein Freund in eine psychische Krise gerät. Wenn ein Familienmitglied unsere Hilfe braucht. Oder wenn wir selbst diese Person sind. Für uns war damals schnell klar, dass es nicht ausreicht, einfach „schöne“ Geschichten zu schreiben. Wir wollten unsere Leser erreichen. Denn wir wussten, dass die erste Reaktion auf Selbsthilfe in unserem Magazin sein würde „Dafür bin ich noch zu jung. Was geht mich das an?“.

In Form eines World Cafés haben wir mit Schülern der Gymnasialstufe der Richard-Müller-Schule in Fulda über Burnout gesprochen. Den ersten wirklich großen Stressmoment, die Abschlussprüfungen, schaffen die meisten noch gut. Aus den Gesprächen mit der Beratungsstelle der Hochschule Fulda wussten wir aber, dass die Sorgen und Probleme im ersten Semester dann plötzlich auf sehr viele junge Leute einprasseln. Diesem Punkt mit einer solchen Veranstaltung vorzugreifen, zu zeigen, wo es Hilfe gibt, war eine nachhaltige Herangehensweise.

Erfolg auf den zweiten Blick

Selbsthilfegruppen leiden oft unter dem Image, dass ihnen so anhaftet. „Hallo, ich bin der X, und ich habe ein Problem.“ Doch sie erfüllen eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Sie sammeln Wissen über Hilfsmöglichkeiten. Sie bringen Menschen zusammen, zeigen ihnen, dass sie nicht allein sind. Helfen, indem sie einen Ort schaffen, an dem man sich seinen Gefühlen stellen kann, ohne Angst zu haben.

Etwa 1,5 der inzwischen drei Jahre des Projektes habe ich als Leiterin der Themenwelt mitgestaltet. Und auch, wenn man den Erfolg, den Wert des Projektes nicht direkt in Leserzahlen, neugegründeten Selbsthilfegruppen und Lobhudeleien messen kann, war für uns doch spürbar, dass wir ankommen. Es kam nicht selten vor, dass ich an unseren Partnerschulen auf Themen aus diesem Bereich angesprochen wurde, dass mir Protagonisten erzählten, dass Freunde und Bekannte auf sie zugekommen seien, oder dass ich bei ganz anderen Recherchen auf Menschen stieß, die mir erzählten, dass eine Geschichte, ein Schicksal, sie zum Nachdenken gebracht habe.

Mit diesem Projekt hat die Medienmarke move36 in meinen Augen gezeigt, welche Verantwortung Medien tragen können. Sie hat auf sehr sensible Art Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, das so wichtig ist. Es hat aber auch dazu beigetragen, Selbsthilfegruppen zu zeigen, dass sie sich nicht verstecken dürfen. Ihre Themen offen anzusprechen, hilft so vielen Betroffenen, sich auch zu trauen, sich Hilfe zu suchen. Ich hoffe, dass dieses Projekt kein einmaliges bleibt.

Ein kleiner Einblick in „Wir müssen reden!“

  • In der Recherche am meisten berührt hat mich sicherlich unsere Geschichte zum Thema Borderline
  • Was trans* ist, habe ich mir von drei jungen Menschen erklären lassen.
  • Die wundervolle Lea Widmer hat mich an die Hand genommen und mir gezeigt, wie Fulda aussieht, wenn man eine Sehbehinderung hat.
  • Jana Crämer zeigt mit ihrem Buch „Das Mädchen aus der ersten Reihe“ und ihren Kanälen vielen Menschen mit Essstörungen, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen. Sie hat mir erklärt, was Binge Eating ist und wie sie einen Weg gefunden hat, damit umzugehen.
  • Mario Dieringer pflanzt mit Trees of Memory Erinnerungsbäume für Menschen, die ihrem Leben eine Ende gesetzt haben und deren angehörigen. Seinen eigenen Weg hat er für mich skizziert.
  • Über unser World Café zum Thema Burnout haben wir auch im Magazin berichtet.
  • In unserem Podcast „Radio36“ aber auch im Magazin haben wir mit dem Selbsthilfebüro Osthessen darüber gesprochen, wie Selbsthilfe wirklich aussieht.

Eine kleine Fee für starke Kinder: ein Buch für Palliativkinder

Eine kleine Fee für starke Kinder: ein Buch für Palliativkinder

In den letzten Wochen war es etwas ruhig hier auf dem Blog. Das lag daran, dass ich, und darüber freue ich mich sehr, einiges zu tun hatte. Ein Projekt, an dem ich mitwirken durfte, macht mich sehr stolz, denn es ist ein Kinderbuch für Kinder mit Tay-Sachs-Syndrom, Palliativkinder, deren Geschwister und Eltern. Mit der Autorin von „Die Fee, die nicht fliegen konnte“, Eva Binder vom Verein Hand in Hand für Tay-Sachs- & Palliativkinder, habe ich ich mich über die Krankheit, ihren Verein und das Buch unterhalten. Gezeichnet wurde das Buch übrigens von Evas Mann Stefan Binder, dessen Arbeiten auch mehr als einen Blick wert sind. 

Eva, du hast den Verein Hand in Hand für Tay-Sachs- und Palliativkinder gegründet, weil deine Tochter auch diese Erkrankung hatte. Jetzt hast du ein Kinderbuch für betroffene Familien geschrieben. Was hat dir nach der Diagnose geholfen?

Puh eine schwere Frage. Nach der Diagnose hat es mir geholfen, zu reden und zu schreiben. Auch Facebook hat mir viel geholfen (Anmerkung: Eva hat den Weg ihrer Tochter auf Facebook nachgezeichnet.). Wir haben gekämpft, sind zum Beispiel mit meiner Tochter nach Brasilien zu einem Wunderheiler geflogen. Wir haben also nichts unversucht gelassen. Und ganz klar hat auch die Gründung des Vereins geholfen: Etwas zu haben, für das man kämpfen kann, anderen Eltern diesen Weg vielleicht zu ersparen oder zu erleichtern.

Wie kamst du auf die Idee des Vereins?

Stefan und Eva Binder. Foto: Stefan Binder

Ursprünglich war der Verein ausschließlich für die Krankheit meiner Tochter gedacht: dem Tay-Sachs-Syndrom. Die Idee kam aus der Notwendigkeit heraus. Es gab im deutschsprachigen Raum niemanden, der sich mit der Krankheit wirklich auskannte.

Keine Selbsthilfegruppe?

Nein. Keinen Ansprechpartner, niemand sammelte Gelder für die Forschung oder kümmerte sich um die Patienten. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur die weltweit größte Organisation für Tay-Sachs aus den USA, die NTSAD, und die erste und einzige Organisation in Europa, die CATS Foundation aus England. Ich habe mir hunderte englische Berichte, Paper aus der Forschung, Medikamentenstudien usw. im Netz gesucht und mühsam gelesen, teilweise auch übersetzt. Es gab einfach nichts auf deutsch. Das war sehr hart. Aber noch härter war das Gefühl, so völlig allein zu sein. Dieses Gefühl wollte ich anderen Eltern ersparen. Ich wollte einfach nicht nur zu Hause sitzen und auf den Tod meiner Tochter warten. Ich wollte aktiv etwas verändern.

Inzwischen habt ihr den Fokus auf Palliativkinder ausgeweitet …

Genau. Wir unterstützen alle Kinder in Österreich, die von einer palliativen, also tödlichen, Krankheit betroffen sind. Der Grund ist einfach: außer meiner Tochter gab es in Österreich kein weiteres Kind mit dieser Krankheit. Aber es gibt so viele andere Kinder mit ähnlich schweren Krankheiten, die ebenso alleine dastanden. Für die Krankheit Tay-Sachs gibt es mitterweile alleine in Europa fünf Organisationen, die für die Forschung sammeln. Eine davon ist in Deutschland aktiv und entstand durch die von mir ins Leben gerufenen europäischen Familienkonferenzen für Tay-Sachs. In Deutschland gibt es mehr Betroffene als in Österreich.

Was macht ihr alles im Verein? Gesprächsangebote, jetzt das Kinderbuch ..?

Wir sammeln weiterhin Spenden, hauptsächlich für die betroffenen Kinder, mit Events und online. Und zu 25 Prozent auch weiterhin für die Tay-Sachs-Forschung. Wir möchten auch einen Ratgeber herausbringen für Eltern von palliativen Kindern. Und wir wollen noch mehr Patienten finden und Vernetzungsevents für Familien organisieren. Außerdem entwickeln wir einen Begleitungsservice für den Urlaub, um Familien überhaupt die Möglichkeit zu geben, in den Urlaub zu fahren.

Wie kamst du auf die Idee zu deinem  Kinderbuch „Die Fee, die nicht fliegen konnte“?

Durch meinen Blog schreibe ich öfter und auch gerne. Die Idee kam auch durch das Nichtvorhandensein. So ein Buch gibt es noch nicht, also eine Möglichkeit, gesunden Geschwisterkindern zu erklären, was mit dem kranken Geschwisterchen passiert. Den Tod „spielerisch“ näherzubringen. Ich dachte einfach, sowas wäre sinnvoll, und gemeinsam mit Stefan, meinem Mann, hab ich dann das Konzept für die Geschichte entwickelt.

„Die Fee, die nicht fliegen konnte“

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Foto: Stefan Binder

Eine Feenfamilie erwartet Nachwuchs, und alle freuen sich auf die kleine neue Fee. Besonders die Kinder, der Feenjunge Martja und seine Schwester Ruby, freuen sich. Doch schon kurz nachdem die kleine Haylie aus ihre Blüte schlüpfte, wird der Familie klar, dass sie anders ist. Dass ihre Flügel nie so stark werden, dass sie sie tragen können. Sie finden einen Weg, der kleinen Fee das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Und Haylie schenkt den Feen um sich etwas ganz besonderes.

Das Buch ist für EUR 29,90 auf der Seite des Vereins bestellbar. Bald wird es auch auf der Homepage des Vereins zu finden sein.

Der Reinerlös kommt dem Verein und damit Familien mit Palliativkindern zugute.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, dem sei auch Evas Blog DDay mal anders ans Herz gelegt.

 

 

 

#WirvsVirus-Hackathon: 43000 Menschen, beeindruckende Ideen und Social Slam

#WirvsVirus-Hackathon: 43000 Menschen, beeindruckende Ideen und Social Slam

43000 Menschen, 48 Stunden und eine Aufgabe: Überlegt euch Lösungen, wie wir mit der Corona-Pandemie umgehen können! Deutschland hat am Wochenende wahrscheinlich einen der größten Hackathons der Welt erlebt. #WirvsVirus hieß er. Für mich war es der erste. Gemeinsam mit 13 wunderbaren Menschen habe ich an einer Plattform für Künstler*innen und Veranstalter*innen gearbeitet. Ob Social Slam wirklich umgesetzt wird, entscheidet jetzt die Jury.

Ein Hackathon? Das ist doch nur was für Leute mit Computerskills! Etwa das hätte ich noch vor ein paar Jahren gesagt, wenn ihr mich gefragt hättet, ob ich Lust habe, bei einem solchen Event mitzumachen. Ich kannte dieses Format nur aus dem IT-Bereich: Hacker stellen sich einem Problem und versuchen es mithilfe von Technologien zu lösen. Doch eigentliche hacken wir alle, wenn wir beispielsweise Apfelstücke mit in den Brotkasten legen, damit das Brot nicht fest wird. Wenn wir unsere Klamotten nach der Marie-Kondo-Methode falten. Wenn wir Wege finden, unsere Alltagsprobleme kreativ zu lösen. 

Der #Wirvsvirus-Hackathon war in vielerlei Hinsicht etwas Besonders. Nicht nur, dass er in wenigen Tagen aus einer Idee heraus aus dem Boden gestampft wurde. Nicht nur, weil er 43000 Menschen dazu bewegt, sich ein Wochenende lang mit vereinten Kräften damit zu beschäftigen, wie wir die Corona- oder Covid-19-Pandemie überstehen können. Er hat auf wunderbare Art gezeigt, wie viele großartige Ideen entstehen können, wenn Menschen ihre Fähigkeiten zusammenwerfen, alle Vorurteile vergessen und gemeinsam ein Ziel in den Fokus nehmen.

Freitag, das totale Chaos 

Als der Hackathon am Freitag, dem 20. März, startete, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Ich habe mich mit ein paar Freunden angemeldet und gewartet, bis wir den Zugang zum Gruppenslack bekommen. Doch das scheiterte schon, denn niemand, wirklich niemand konnte damit rechnen, dass sich so viele Menschen anmelden würden. Während die Organisatoren also rotierten, um den Ansturm zu bewältigen, browste ich durch die eingereichten Projektideen und fühlte mich hoffnungslos überfordert. So viele Ideen, um Eltern, Selbstständigen, Künstler*innen, Älteren, dem Gesundheitssystem und so weiter helfen könne. Aber welche Idee könnte ausgerechnet mich gebrauchen?

Der Zugang war da, ich klickte mich durch die Gruppen. Schaute mal hier rein, fragte mal da, ob sie eine Texterin bräuchten. Es war schon gegen Mitternacht, als ich über ein Projekt stolperte, das bisher noch nicht viele Teilnehmer hatte, aber super klang: Social Slam. Die Idee: eine Plattform für Kreative, eine Bühne für zu Hause, der Weg, Kleinkunst in Zeiten der Covid-19-Krise zu unterstützen. 

Das Hacken startet

 

„Am besten stellen wir uns erst mal vor und schauen, wer was kann.“ Guter Anfang. Wir sind eine Gruppe von 14 Leuten mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Eine Historikerin ist dabei, Filmemacher*innen, Kommunikationsdesigner*innen, Layouter*innen und Grafiker*innen, Webentwickler und eine Journalistin und Texterin. Wir besprechen die Idee, und im Nullkommanix bin ich dabei, mit Tools und Menschen, die ich bis eben nicht kannte, ein Konzept für eine Plattform zu entwerfen, den anderen zuzuarbeiten und Texte für die Erklärungen, die Plattform selbst und die Dokumentation zu tippen. Ich lerne, was Wireframes sind und erkläre, worauf man bei Texten für Videos achten muss.

Plötzlich ist es Samstagnacht, und Social Slam nimmt irgendwie Formen an. Die Organisatoren rotieren immer noch. Schicken mal diese Info, mal jene, revidieren, beantworten Fragen und sind dabei immer ruhig und freundlich. Generell gehen hier alle großartig miteinander um. Ich erlebe niemanden, der in einer der Gruppen rumpöbelt, sich wichtig macht oder, wie sonst gefühlt gerade überall, irgendwelche Corona-Verschwörungstheorien streut. Die Leute hier haben ein Ziel: einen Beitrag leisten, um die Krise zu überstehen.

Vom Mindmap zur Plattform in wenigen Stunden.

Sonntagmittag spüren wir auch bei uns in der Gruppe die Anspannung steigen. Um 18 Uhr sollen die Videos hochgeladen sein, mit denen wir unsere Ideen pitchen. Mitternacht muss die Projektseite, die die Idee vorstellt und erklärt, wie weit wir in den 48 Stunden gekommen sind, stehen. Denn hier wird ja nicht zum Spaß gehackt. Aus den Tausenden Ideen sollen bis Ende dieser Woche die besten ausgewählt und umgesetzt werden. Während wir Fotos von uns mit „Wir bleiben zu Hause“-Sprüchen für Social-Media hochladen, hauen alle in die Tasten, telefonieren Künstler*innen ab, die uns mit Videos unterstützen und entwerfen Elemente. Ich bin fasziniert, wie aus der Idee Designs, Entwürfe und die Plattform selbst wächst. Natürlich als Prototyp und noch ganz grob. Aber es ist nur 35 Stunden her, da hatten wir nichts.

23.55 Uhr: Submit!

Die Uhr tickt. Unser Video ist online, unser Portfolio-PDF noch im Entstehen und die Zeit scheint zu rasen. Ich habe unseren Webentwickler auf einem Ohr und rede ihm gut zu, während ich die Texte gegenlese, nochmal hier und da neue Slogans mit den anderen Textenden und Layoutenden bespreche und gespannt immer wieder in die Kanäle schaue, damit wir auch nichts verpassen. Wirklich in den letzten Minuten ist unsere Projektseite soweit fertig, und wir sind es auch. Fix und fertig. 

Wie geht es weiter? Die Projekte werden in den nächsten Tagen von einer Jury bewertet. Die Projektvideos sind online und können von jedem angeschaut und kommentiert werden. Welche Idee ist gut? Was sollte sofort finanziert und umgesetzt werden? Welche Ideen doppeln sich und könnten zusammengelegt werden? Jeder kann sich auf Youtube beteiligen. Und wir drücken die Daumen, dass unsere Idee Zustimmung findet.

 

Social Slam

Weltweit entstehen Ideen, wie Kreative auf anderem Weg Fans erreichen. Wir wollen diese Angebote bündeln und einen Ort für das Streaming von Kultur schaffen. Diesen Künstler*innen wieder eine Bühne geben. Ihren Lebensunterhalt sichern. Sie brauchen ihr Publikum. Uns.

Im Rahmen des #Wirvsvirus-Hackathons haben sich 14 Leute gefunden, die 2,5 Tage gemeinsam an dieser Idee für die Herausforderung 0022_Kreative Berufe: Wie können wir Menschen in kreativen Berufen unterstützen? 20 Künstler haben uns mit ihren Videos bei der Entwicklung unterstützt, Unternehmen wie Salesforce haben uns mit technischen Ressourcen supportet.

Jetzt brauchen wir euch, um Social Slam umzusetzen. Ihr votet bis zum 26.03.2020 um 22 Uhr, ob unsere Idee umgesetzt werden soll. Auf Basis des Public Voting und der Einschätzung der Mentoren-Gruppen wird bis nächsten Sonntag eine Jury bestehend aus der Bundesregierung, der Zivilgesellschaft und der Tech-Community eine Auswahl der Projekte offiziell auszeichnen.

Danke für euer Like!

Stream social! Dein SocialSlam-Team

> Hier findet ihr alle Infos zum #Wirvsvirus-Hackathon

> Hier findet ihr unsere Projektseite.

> Hier findet ihr uns bei GitHub.

> Hier findet ihr unseren Prototype.

Was habt ihr nur mit diesen Anführungszeichen?

Was habt ihr nur mit diesen Anführungszeichen?

„Suche einen ‚Klavierlehrer‘ für meinen ‚Sohn'“. „Heute frisches ‚Hackfleisch'“ oder „Bewirb dich für den ‚Traumberuf‘ Kraftfahrer“ – Wie und wo man Anführungszeichen benutzt, scheint für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. 

Das Internet ist voll von lustigen Beispielen von Schreibversuchen, die Aussagen erzeugen, die so gar nicht gewollt waren. Der Klavierlehrer soll bestimmt wirklich ein Klavierlehrer sein und kein suspektes Wesen, dass sich als solcher ausgibt. Und man darf auch davon ausgehen, dass die Autoren wissen, ob sie einen Sohn, eine Tochter oder ein Meerschweinchen haben. Doch mit ihren Anführungszeichen haben sie dem Text eine ganz neue Ebene gegeben.

Wie ist es denn richtig?

Zuallererst verwenden wir Anführungszeichen, wenn wir zitieren, zeigen wollen, dass es sich um wörtliche Rede handelt. Dabei wird der Inhalt, der wörtlich wiedergegeben wird, in Anführungen gesetzt.

„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn.“

Damit der Leser auch weiß, wer da spricht, sollte das an passender Stelle eingefügt werden.

„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn“, sagt Frau Meier.

Gibt es einen solchen Zusatz, wird der Satzpunkt innerhalb der Anführungen weggelassen. Fragezeichen oder Ausrufezeichen bleiben meist stehen.

So einfach, so gut.

Die Angabe des Sprechenden kann auch mitten in das Zitat gebaut werden:

„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn“, sagt Frau Meier, „weil der letzte Lehrer weggezogen ist.“

Anführungen als Hervorhebung

Ja, Anführungszeichen können auch genutzt werden, um Worte, Wortteile oder ganze Wortgruppen hervorzuheben. Wenn ich zum Beispiel erklären möchte, wo ein Wort oder Wortteil herkommt, kann ich diesen hervorheben.

Das Wort „Bio“logie steht für Lebenswissenschaften. Der Wortteil „Bio“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Leben.

Wir benutzten Anführungzeichen auch, wenn wir den Titel eines Werkes meinen. „Der Herr der Ringe“ ist ein Buch von J. R. R. Tolkien. Zeitungstitel werden in Anführungen gesetzt, genauso wie Filmtitel, Songs oder Albentitel. Wobei man die Anführungen hier weglassen kann, wenn eindeutig klar wird, was gemeint ist. Die Namen großer Medien wie der NZZ oder des SPIEGEL werden daher selten mit Anführungen eingeklammert.

Der dritte Anwendungsfall ist, wenn ein Wort besonders betont werden soll. Dabei geht es wirklich um das sprachliche Betonen und deutet eine gewisse Ironie oder Fragwürdigkeit an. Wenn ich also schreibe „Sie hat ’nur‘ die Silbermedaille geholt“, meine ich nicht, dass die Silbermedaille schlecht ist, sondern möchte hervorheben, wie gut das Ergebnis ist, und Kritikern einen Spiegel vorhalten. Wenn der Autor also nach einem „Klavierlehrer“ sucht, deutet er an, eben keinen Klavierlehrer zu meinen.

Hilfreich ist es, sich den laut gesprochenen Satz vorzustellen und die Anführungen mit den Fingern anzuzeigen. Wenn die Aussage dann verdreht wirkt, sind die Anführungszeichen falsch.

Satzzeichen vs. Anführungszeichen

Kompliziert sind für viele besonders die Satzzeichenr und um Anführungen. Muss das Satzzeichen jetzt vor das Abführungszeichen? Oder Dahinter? Was mache ich, wenn mehrere Zeichen aufeinandertreffen?

Der Duden bringt ein schönes Beispiel: Lass doch dieses ewige „Ich will nicht!“!

Sieht komisch aus, wenn zwei Ausrufezeichen aufeinandertreffen. Aber es ist richtig. Denn hier zitiert der Sprecher den Angesprochenen, der wohl immer wieder „Ich will nicht!“ sagt. Eltern können davon sicher ein Lied singen. Doch auch die Aussage des Sprechers ist ein Ausruf. Also muss sowohl im Zitat in den Anführungen als auch als Abschluss des Satzes ein Ausrufezeichen stehen.

Wenn ein Satz nun aber mit einem Buchtitel, einer Hervorhebung oder einem Zitat ohne Satzzeichen endet, wird auch keins in die Anführungszeichen hineingebastelt.

Mein Lieblingsbuch ist „Alice in Wonderland“.

Alles klar im Anführungszeichendschungel?

 

Wer nachlesen möchte: Hier die Dudenregeln.

Ein paar tolle falsche Beispiele hat der Instagramkanal @awekward_anfuehrungszeichen gesammelt.

Buzzfeed (Name des Mediums, Anführungszeichen optional, wenn eindeutig erkennbar ist, dass es sich um den Namen der Seite handelt) hat dazu natürlich auch eine schöne Liste.

Und wer sie noch nicht kennt: Die FB-Gruppe „Perlen des Lokaljournalismus“ (Titel der Seite, daher Anführungszeichen) ist mein täglicher Quell für textliche Fehlschläge.

Viel Spaß beim Durchscrollen.

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